Landesfischereiverband Südwürttemberg-Hohenzollern e.V.

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Wasserrahmenrichtlinie (WRRL)

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ie-explorer-small Querverbauungen an Flüssen als zentrales ökologisches Problem

 


 


Fischbasierte Fließgewässerbewertung gemäß EU -Wasserrahmenrichtlinie

Dr. Markus Diekmann, 88212 Ravensburg, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

 

In diesem Vortrag wurde auf die EG-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL), auf die Bewertung von Fließgewässern mit Fischen sowie das deutsche fischbasierte Bewertungssystem FIBS und erste Erfahrungen eingegangen.

Allgemeines zur Wasserrahmenrichtlinie (WRRL)

Die WRRL ist seit 2000 in Kraft. Sie hat die EU-weite nachhaltige Gewässernutzung und das Erreichen des sogenannten guten ökologischen Zustands der Oberflächengewässer bis 2015 zum Ziel (als bundesweit relevante Homepage zur WRRL siehe: http://www.wasserblick.net).

Wichtige Fristen umfassen die rechtliche Umsetzung bis Ende 2003, die Bestandsaufnahme bis Ende 2004 sowie die Installation von Überwachungsprogrammen bis Ende 2006. Erste Bewirtschaftungspläne sind bereits 2009 aufzustellen, woraus sich ein erster Berichtszeitraum ergibt, der gegenüber dem später einzuhaltenden 6-Jahres-Zeitraum verkürzt ist.

Neben der Beschreibung der Hydromorphologie der Gewässer stehen bei der WRRL-konformen Bewertung physikalisch-chemische Analysen und vor allem auch biologische Qualitätskomponenten (Wasserpflanzen, pflanzliches Plankton, Makrozoobenthos wie z. B. Insektenlarven und schließlich Fische) im Vordergrund.

Die Details zur Bewertung des ökologischen Zustands der Gewässer mit den biologischen Qualitätskomponenten sind in Anhang V der WRRL geregelt; die Bewertung hat in 5 Stufen von 1 (= sehr gut) bis 5 (= schlecht) zu erfolgen.

Die WRRL verlangt eine Einteilung der zu bewertenden Gewässer in Typen und eine Bewertung anhand einer typspezifischen Referenz, die sich wiederum am möglichst unbeeinträchtigten Zustand zu orientieren hat.

Die deutsche Fließgewässertypologie, die durch die LAWA (Länderarbeits-gemeinschaft Wasser) erstellt wurde, enthält derzeit 24 bedeutsame Typen, die jedoch für die fischbasierte Bewertung ungenügend sind. So gehören Rhein und Donau trotz ihrer großen zoogeografischen Unterschiede (viele Fischarten kommen natürlicherweise nur in einem der beiden Gewässer vor) einem Typ an. Praktisch alle LAWA-Fließgewässertypen erstrecken sich zudem über verschiedene Fischregionen. Daher können sich die natürlichen Fischgemeinschaften innerhalb eines Typs teilweise drastisch unterscheiden, was wiederum die Erstellung einer einheitlichen Referenz für jeden Typ verhindert.

Fließgewässerbewertung mit Fischen

Die Gewässerbewertung anhand der Fische hat gemäß WRRL anhand der Qualitätsmerkmale 1) „Zusammensetzung und Abundanz der Arten“ (welche Arten sind vorhanden und in welchen Anteilen), 2) „typspezifische Arten“ (solche, die für einen betrachteten Gewässerbereich zu erwarten und ggf. störungsempfindlich sind) und 3) „Altersstruktur“ (ist der Populationsaufbau natürlich, erfolgt also eine natürliche Fortpflanzung?) zu erfolgen.

Das deutsche fischbasierte Bewertungssystem (FIBS), das im Rahmen eines deutschlandweiten Verbundprojektes bis 2003 entwickelt wurde (BMBF FKZ 00330042 – 00330044), berücksichtigt diese Vorgaben seitens der WRRL (siehe unten).

Fischökologische Grundlagen, die bei der Verfahrensentwicklung besonders berücksichtigt wurden, sind beispielsweise die ungleichmäßige Verteilung der Fischarten in den verschiedenen Fischregionen, die normalerweise auftretenden Unterschiede zwischen verschiedenen Befischungen an einer Probestelle und die unterschiedliche Nutzung von Lebensräumen durch die einzelnen Arten. Diesen wird mit der Aufnahme des sogenannten Fischregionsindex in das Bewertungssystem und der Einteilung der Fischarten in Gilden Rechnung getragen.

Aus der LAWA-Fließgewässertypologie (siehe oben) ergibt sich, dass keine einheitlichen Referenzzönosen für jeden Typ erstellt werden können. Daher werden zur Bewertung mit FIBS die Referenzfischgemeinschaften für jeden zu bewertenden Gewässerabschnitt abgeleitet, was unter Berücksichtigung des LAWA-Typs, des Flussgebietes (z. B. Donau oder Rhein), der regionalen Verbreitung von Fischarten und längszonaler Aspekte (lokale Gewässermorphologie) erfolgt. Hier gehen in Anlehnung an die WRRL historische Informationen, aktuelle Befischungsdaten und Expertenwissen ein.

Bei der Referenzfischgemeinschaft nach FIBS werden die Arten nach relativer Häufigkeit in Begleitarten (< 1 %), typspezifische Arten ( 1 %) und Leitarten ( 5 %) unterschieden.

Die Bewertung mit FIBS erfolgt über den Vergleich der Anteile der Arten in der aktuellen Fischgemeinschaft mit denen der Referenz. Daher ist die valide Bewertung mit FIBS von zwei Faktoren abhängig:

einer detaillierten Referenz-Fischartengemeinschaft mit relativen Anteilen (%) und

von repräsentativen Probenahme-Ergebnissen zur aktuellen Fischbesiedlung.

Während der Probenahme erhobene Daten umfassen die Anzahl der Individuen je Art sowie zwei „Altersklassen“, 0+ und älter (Anteil der Y-O-Y); die zusätzliche Erfassung von Größenklassen ist für die Bewertung nicht erforderlich, wird aber empfohlen.

Probestellen müssen repräsentativ für das zu bewertende Gewässer oder den zu bewertenden Gewässerabschnitt sein. Zudem muss der Befischungsaufwand hinreichend sein und es sollten Mehrfachbefischungen vorgenommen werden. Hierzu wurden Empfehlungen erarbeitet, die sich im Wesentlichen an der mittleren Gewässerbreite und der in der Referenz zu erwartenden Artenzahl orientieren. Details sind dem Handbuch zum Bewertungsverfahren zu entnehmen (siehe unten).

Das Verfahren FIBS berücksichtigt 6 Qualitätsmerkmale, die wiederum aus einem oder mehreren Parametern bestehen. Zunächst werden die Parameter mit 5 Punkten (sehr gut), 3 Punkten (gut) oder einem Punkt (schlechter als gut) bewertet. Die jeweiligen Qualitätsmerkmale werden dann über Mitteilung der ihnen zugehörigen Parameter bewertet; die abschließende Gesamtklassifizierung erfolgt über die Mittelung der Ergebnisse der Qualitätsmerkmale. Hierbei werden Dezimalwerte zwischen 1,00 und 5,00 erreicht. Die Klassengrenzen sind festgelegt und bedienen das von der WRRL geforderte fünfstufige Bewertungsverfahren; bei 2,51 Punkten ist der gute Zustand erreicht.

FIBS ist ein Excel-basiertes Programm, das nach Eingabe der Referenzen (Prozentanteile) und des Probefangs (Fangzahlen der Individuen insgesamt und der Jungfische, idealerweise gepoolt aus Mehrfachbefischungen) automatisch die Bewertung vornimmt. Die Bewertung der einzelnen Qualitätsmerkmale und der ihnen zugehörigen Parameter wird ebenfalls ausgegeben, sodass eine Interpretation und Plausibilisierung der Bewertungsergebnisse ermöglicht wird.

Erste Erfahrungen

Der erste deutschlandweite Einsatz von FIBS während der letzten Jahre hat wichtige Erkenntnisse erbracht. Die Validität der Bewertungsergebnisse hängt unmittelbar ab von der Güte der Befischungsergebnisse und der Plausibilität der erstellten Referenz.

FIBS ist derzeit noch nicht endgültig abgeschlossen. Bevor jedoch letzte Anpassungen erfolgen, müssen erst möglichst deutschlandweit Daten in die Bewertung eingehen, um eventuelle Verbesserungen vornehmen zu können.

Bei jeder Gewässerbewertung ist das Ergebnis auf Plausibilität zu prüfen.

Alle relevanten Dokumente wie der Abschlussbericht zum BMBF-Projekt, das Bewertungssystem FIBS sowie das zugehörige Handbuch sind auf der Homepage der Fischereiforschungsstelle frei zum Download verfügbar: http://www.lvvg-bw.de, weiter unter „Fischereiforschungsstelle“ und „WRRL“.

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 27. Februar 2011 um 16:39 Uhr